Wie ich wegen Goethe eine Prüfung nicht bestanden habe
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Eine wahre Geschichte aus meinem Deutschstudium
Es ist viele
Jahre her, aber diese Prüfung ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben. Damals
habe ich an der Universität Deutsch studiert, und wie am Ende jedes
Semesters standen zahlreiche Prüfungen an: Stilistik, Grammatik, deutsche
Literatur – und vieles mehr.
Schlecht vorbereitet, wie so oft im Studium
Ich war
ehrlich gesagt nicht gut vorbereitet. Typisch Studentenleben: eine Nacht
durchgelernt, kaum geschlafen, völlig übermüdet und extrem nervös zur Prüfung
erschienen. Ich hoffte – wie so oft – einfach auf Glück.
An unserer
Universität lief die Prüfung so ab: Man musste verschiedene Themen vorbereiten,
zog dann eine Karte mit zwei Fragen und hatte etwa zehn Minuten
Vorbereitungszeit, bevor man antworten musste.
Goethe – und ein trügerischer Moment der Erleichterung
Als ich
meine Karte zog, war ich zunächst erleichtert. Eine der Fragen handelte von Goethe
und seinen Werken. Ich dachte: Das schaffe ich.
Schnell begann ich, mir Notizen zu machen, schrieb über Goethe, seine Werke und
seinen Einfluss auf die deutsche Literatur.
Dann begann
die mündliche Prüfung.
Eine strenge Dozentin und ein entscheidender Moment
Unsere
Dozentin war bekannt für ihre Strenge. Viele Jahre später verstanden wir, dass
sie einfach ein außergewöhnlich gutes Deutsch sprach und höchste
Ansprüche hatte.
Damals erschien sie uns als eine alte, sehr strenge, etwas verschlossene Frau,
die keinerlei Nachsicht zeigte.
Alle unsere
Lehrkräfte liebten die deutsche Sprache und Kultur zutiefst. Sie kannten
Literatur, Musik und Geschichte auswendig – und fühlten sich beinahe beleidigt,
wenn man mit der Sprache nachlässig umging.
Die Dozentin
blickte auf meine Notizen. Dort hatte ich den Namen eines berühmten
deutschen Schriftstellers falsch geschrieben.
Mit strenger
Stimme sagte sie:
„Buchstabieren Sie bitte den Namen.“
Nervosität, Fehler – und das Ende
Ich war
irritiert, extrem nervös und hatte diese Frage überhaupt nicht erwartet. Ich
buchstabierte – falsch.
Sie sagte nur:
„Wie bitte?“
Ich
versuchte es erneut. Wieder falsch.
Da wurde sie
richtig wütend. So hatten wir sie noch nie erlebt. Es folgte eine lange Rede
darüber, dass ich an der Universität – besonders in diesem Fach – nichts zu
suchen hätte, wenn ich mir so etwas nicht merken könne.
Am Ende
bekam ich eine schlechte Note. Die Prüfung war verloren.
Was ich aus dieser Prüfung gelernt habe
Ich weiß noch, dass ich Fehler gemacht habe. Was ich genau gesagt habe, kann ich mich heute nicht mehr erinnern. Aber diese Lektion habe ich nie vergessen.
Manchmal sind es genau diese Momente des Scheiterns, die einem länger im Gedächtnis bleiben als jeder bestandene Test.
Was ich also aus der Prüfung gelernt habe:
Eine Fremdsprache kann man nicht in einer einzigen Nacht lernen. Sie braucht Zeit, Wiederholung und Geduld. Es ist deutlich effektiver, jeden Tag ein bisschen zu lernen, als kurz vor der Prüfung alles auf einmal in den Kopf pressen zu wollen. Genau das predige ich heute auch oft in meinem Unterricht – denn Studenten sind zu allen Zeiten gleich geblieben.
Nervosität
und Müdigkeit führen zu mentalen Blockaden. Selbst Inhalte, die man eigentlich gut beherrscht,
können in Stresssituationen plötzlich wie ausgelöscht sein. Unter Druck, ohne
Schlaf und voller Angst funktioniert das Gehirn einfach nicht zuverlässig.
Deshalb ist
gute Vorbereitung nicht nur eine Frage des Wissens, sondern auch der richtigen
Lernstrategie, ausreichender Pausen und innerer Ruhe. Diese Erfahrung hat
mir diese eine, nicht bestandene Prüfung eindrücklicher vermittelt als viele
erfolgreiche Prüfungen danach.
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